Lichtkunst in der Stadt

Uns ist beim Ansehen unserer älteren Beiträge aufgefallen, dass wir oft davon berichtet haben, wie wir Bilder in der Stadt aufgenommen haben und welche Probleme uns dort jeweils begegnet sind. So haben wir zum Beispiel den Landtag in Magdeburg und viele typische Leipzig-Motive mit Light Art in Szene gesetzt.

Nun wollten wir einmal unsere Erfahrungen daraus in ein paar Tipps zur Light Art-Fotografie zusammenfassen, speziell für Aufnahmen in der Stadt. Denn für Light Art eignen sich eigentlich dunkle Orte viel besser, also irgendwo außerhalb der Städte oder abgeschlossene, dunkle Räume. Hat man diese Möglichkeiten nicht, oder möchte bewusst bestimmte Motive der Stadt oder seine Umgebung mit im Bild nutzen, steht man plötzlich vor neuen Problemen. Hier also unsere

Tipps für Light Art in der Stadt

Erst einmal müssen wir natürlich sagen, dass die Gegebenheiten überall etwas anders sind und man auch immer wieder auf neue Schwierigkeiten stößt. Meistens muss man einfach etwas herum probieren, um individuell eine Lösung zu finden. Ansonsten haben wir festgestellt, dass die meisten Probleme in eine der folgenden drei Kategorien fallen:

1. Problem: Das gewünschte Motiv sieht irgendwie langweilig aus.

Manchmal kommt es vor, dass man ein Gebäude total toll und beeindruckend findet, aber sobald man ein Foto davon aufnimmt, kommt dieser Eindruck nicht so gut rüber, wie man es sich vorgestellt hat. Dies ist übrigens ein Problem, dass auch bei normalen Tagesaufnahmen auftreten kann.

Am besten ist hierbei, das Motiv nicht frontal von vorn zu fotografieren, sondern einen besonderen Blickwinkel zu finden. Da es hier ja speziell um Light Art geht, sollte man sich auch überlegen, was hierbei im Vordergrund stehen soll: der Light Art-Effekt, oder das Motiv? Wenn der Light Art-Effekt im Vordergrund steht, stört es gar nicht so sehr, wenn der Hintergrund nicht so beeindruckend aussieht. Auch kann man mit etwas Fantasie ein „langweiliges“ Gebäude durch die Darstellung mit Light Art im Bild aufwerten. Das haben wir zum Beispiel bei Fotos vom Merseburger Campus gemacht:

Andererseits haben wir mit der Zeit festgestellt, dass es gerade bei Städtefotos interessanter ist, wenn das Motiv im Vordergrund steht und die Light Art-Effekte etwas zurückgenommen sind: Also wenn man das Gebäude hervorhebt durch einfaches Beleuchten oder bunt bestrahlen und den Light Art-Effekt etwas dezenter platziert, wie zum Beispiel bei unserem Foto von der Leipziger Oper, wo man den Orb in der Mitte erst auf den zweiten Blick sieht oder dem Foto des Neuen Rathauses, wo sich die Stencil-Schmetterlinge ganz harmonisch ins Bild einfügen:

2. Problem: Straßenlaternen und helle Beleuchtung stören in der Aufnahme.

In der Stadt gibt es überall Straßenlaternen, die schnell ein Bild überstrahlen können. Auch gerade beliebte Fotomotive werden oft nachts beleuchtet. Dadurch entstehen oft sehr starke Kontraste: das Gebäude ist auf dem Foto schon viel zu hell, während die Umgebung und der Himmel noch zu dunkel sind.

Eine Lösung ist, sich eine günstigere Position zu suchen, die etwas dunkler ist und wo das Licht nicht ganz so störend wirkt. Bei unseren Fotos vorm LVZ-Gebäude wollten wir erst die Säulen mit ins Bild einbeziehen, diese waren aber so hell, dass hier Light Art einfach nicht möglich war. Also fotografierten wir das Gebäude so, dass die Säulen nur leicht im Hintergrund zu sehen sind. Zusätzlich hatten wir noch einige der im Boden eingelassenen Leuchten mit Farbfolien bedeckt, die das Licht etwas geschluckt haben.

Bei nicht ganz so krasser Helligkeit kann man natürlich noch andere Einstellungen ausprobieren: Man kann die Blende etwas mehr schließen (höhere Blendenzahl) oder kürzer belichten. Bei einer stark geschlossenen Blende entsteht bei Straßenlampen ein Effekt, der diese wie Sterne wirken lässt. Dies gefällt manchen Leuten und anderen nicht, es liegt bei jedem selbst ob man das möchte. Verkürzt man die Belichtungszeit, hat man selbst weniger Zeit, um seine Light Art-Effekte ins Bild zu bauen. Hier muss man also schneller arbeiten oder Effekte weglassen, wenn die Zeit nicht reicht.

Prinzipiell kann man dieses Problem auch mit einer Belichtungsreihe lösen, wo man in der Nachbearbeitung unterschiedlich lang belichtete Bilder quasi zu einem HDR zusammenfügt. Dies funktioniert für „normale“ Langzeitbelichtungen ganz gut, ist aber für Light Art-Fotos ungeeignet.

3. Problem: Leute stehen im Weg, laufen oder fahren mit dem Rad durchs Bild.

Gerade in Städten sind auch bis spät in die Nacht noch Leute unterwegs. Während manche Leute beim Anblick unserer Kamera erst einmal stehen bleiben, sich wegducken oder uns fragen, ob sie vorbeigehen können, gibt es auch Leute die uns vollkommen ignorieren und sich einfach mitten ins Bild stellen. (Läuft jemand zügig durchs Bild, verschwindet die Person sowieso durch die Langzeitbelichtung)

Hat uns das anfangs noch gestört, haben wir mittlerweile damit angefangen, dies einfach auszunutzen. Die Leute geben dem Bild etwas lebendiges und oft macht genau das den besonderen Charme eines Fotos aus. Hier auch noch einmal das Bild vom Rathaus mit den „Nachtfaltern“: Die Version mit den Leuten im Bild hat uns einfach viel besser gefallen. Gerade in Leipzig gibt es auch viele Radfahrer. Fahren diese durch die Aufnahme, ziehen die Fahrradleuchten natürlich Streifen durchs Bild. Damit können sie natürlich schon einmal ein Light Art-Foto „kaputt machen“, aber solche Streifen können ebenfalls interessante Effekte ergeben.

Wie schon gesagt, sind die Gegebenheiten überall etwas anders und man kann keine Tipps geben, die immer und überall gelten. Letztendlich muss jeder seine eigenen Erfahrungen machen und etwas herum experimentieren, um seine individuelle Lösung zu finden.

Daher ist unser wichtigster Tipp: Nehmt eure Kamera und Stativ, und zieht los und fotografiert! Probiert verschiedene Einstellungen aus und schaut euch an, wie sie sich auf das Bild auswirken. Wie jeder weiß, lernt man auch aus Fehlern und wenn ein Bild mal nicht so wird wie gewünscht, habt ihr eine neue Erfahrung gewonnen. Mit der Zeit bekommt ihr ein Gefühl dafür, unter welchen Umständen man welche Einstellungen wählen kann und welche Light Art-Effekte wie und wo am besten herauskommen.

Soweit unsere Hinweise, wir hoffen sie sind hilfreich für euch und wir freuen uns über Feedback dazu. Was habt ihr schon für Probleme gehabt beim Fotografieren in der Stadt, haben wir vielleicht noch etwas vergessen? Oder geht es euch auch so wie uns? Stellt uns ruhig eure Fragen.

Wir wünschen euch einen schönen Sonntag und viel Spaß beim Fotografieren!

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